Alles eine Glaubensfrage

SIGMA 35mm 1.4 Art

Konkret – ich rede von der Frage „Festbrennweite oder Zoom“. Bis vor einigen Monaten war ich noch in  erster Linie als Sportfotograf unterwegs. In diesem Bereich der Fotografie stellt sich kaum die Frage, ob Zoom oder Fix. Erst bei den ganz langen Brennweiten erübrigt sich das Thema von alleine. In allen anderen Bereichen der Fotografie ist das aus meiner Sicht aber schon mehr als nur eine Überlegung Wert. Ok, in fast allen Bereichen, also ausser Sport- und der Tierfotografie. Wie gesagt, als Sportfotograf habe ich mich nie wirklich mit der Frage beschäftigt. Doch seit sich mein fotografischer Schwerpunkt mehr in Richtung People, Food und Produktfotografie verschoben hat, stelle ich auch bezüglich den verwendeten Objektive einige Änderungen fest. Und da geht die Reise ganz klar in Richtung Festbrennweiten.

Dennoch ist es noch immer so, dass ich mich innerlich sträube ein neues Objektiv zu kaufen. In den vergangenen Jahren begleitete so ein Kauf stets die bange Frage: Ist es scharf, verzeichnet es oder ist sonst etwas nicht in Ordnung damit. Vor zwei Tagen habe ich es aber wieder einmal getan. Schon lange wollte ich meine Objektivpalette nach unten, sprich unter 50mm ausweiten. Zu extrem sollte es aber nicht werden und da ich schon immer ein Fan der 35mm Brennweite war, habe ich mal meine Fühler in diese Richtung ausgestreckt. Ok, die Auswahl ist überschaubar, zumindest wenn man das Objektiv an einer Nikon betreiben will und alle manuell zu fokussierenden Linsen ausschliesst. Einerseits natürlich das AF-S Nikkor 35mm 1.4G, das AF-S Nikkor 35mm 1.8G oder das hochgelobte SIGMA 35mm F1.4 der Art Serie. Ich wollte jedoch das Maximum an Offenblende bei diesem Objektiv, womit das Nikkor 35mm 1.8G aus der Entscheidung fiel.

SIGMA 35mm 1.4 ArtNun, ich bin nicht so der Fan von Fremdobjektiven, hatte ich in der Vergangenheit doch immer wieder Probleme. Auf der anderen Seite heisst das aber auch CHF 1900.- für das Nikkor zu CHF 720.- für das SIGMA. Und da sich das Internet aktuell geradezu vor Begeisterung für die SIGMA Objektive der Art Serie überschlägt, bin ich doch über meinen Schatten gesprungen, habe mir die Sache einmal etwas genauer angeschaut und es letztendlich gekauft. Achtung: Was nun folgt ist KEIN Testbericht. Es sind lediglich ein paar Erfahrungen, die ich in den letzten 3 Tagen gemacht habe.

Der erste Eindruck

Nun, das Ding ist gross und schwer. Der Fokusring läuft satt, vielleicht etwas zu streng – macht aber nichts, es hat ja einen Autofokus. Die Objektivdeckel halten bombenfest (nicht, wie zum Teil im Internet zu lesen oder zu hören ist). Ebenfalls etwas schwergängig ist das Objektivbajonett, aber das wird sich wohl im Laufe der Zeit noch etwas entschärfen.

Der zweite Eindruck

Also, das Objektiv auf die Kamera (D800) geschraubt, ein Motiv ausgewählt, scharf gestellt und abgedrückt und… unscharf! Kann ja nicht sein. Also noch einmal – und wieder unscharf. Das Problem liegt wohl eher hinter der Kamera also weiter geht’s. Leider war es mir aber auch nach mehreren Versuchen nicht möglich ein scharfes Bild zu bekommen. Was tut man also in einer solchen Situation? Richtig, man schraubt die Kamera auf ein Stativ und versucht es mal mit der Objektiv-Feinjustage in der Kamera. Langer Rede kurzer Sinn – bei +12 hat es dann auch bei der Schärfe geklappt. Und wie. Schon bei Offenblende (1.4) ist es absolut knack scharf, Dynamik und Kontrast sind absolut top. Ich muss an dieser Stelle vielleicht noch erwähnen, dass ich keine Testcharts fotografiert habe und es auch nie tun werde. Der Wert +12 hat sich nach einigermassen normal fotografieren ergeben und kann durchaus auch bei +10 oder +15 liegen. So weit so gut. Der Puls normalisiert sich wieder und die Freude an der Neuerwerbung kehrt zurück. Bis, ja bis zu…

Der dritte Eindruck

Nachdem das SIGMA nun mit dem mittleren AF-Messpunkt absolute Top-Resultate abgeliefert hat, wollte ich zur Sicherheit natürlich noch die restlichen AF-Messfelder ausprobieren und musste gleich den nächsten Schock verarbeiten. Die beiden äussersten AF-Messfelder links und rechts lieferten keine scharfen Bilder! Ich habe mir jedoch nicht die Mühe gemacht heraus zu finden, ob ich das mit einer AF-Korrektur hinbekommen könnte und werde es auch nicht tun. Warum? Es nützt ganz einfach nichts. Ich kann ja die Feinjustierung nicht für die einzelnen Messfelder getrennt einstellen, muss mich also auf die wirklich wichtigen beschränken. Ich habe dann das Objektiv noch an meine D4 geschraubt, nur um ausschliessen zu können, dass der Fehler am Objektiv und nicht an der Kamera (oder dahinter) liegt. Nachdem ich einige weitere Aufnahmen gemacht habe, halte ich fest, dass ich mit diesem Umstand leben kann. Zumindest vorläufig. Nächste Woche steht ja meine Shootingreise nach Prag auf dem Programm und da wollte ich das Objektiv unbedingt dabei haben. Dort wird es sich also auch zeigen, ob ich mit den Einschränkungen leben kann, das Objektiv zum SIGMA Service bringen werde oder was auch immer damit mache.

Fazit

Wie gesagt. Das SIGMA 35mm ist nach der AF-Feinjustage ein absolut traumhaftes Gerät. Ich gestehe, noch nie ein Objektiv besessen zu haben, welches bei Offenblende solch fantastische Resultate geliefert hat und es wurmt mich schon ein wenig, dass es eben (noch) nicht ganz perfekt ist. Aber, wie gesagt, ich werde es nächste Woche weiter „testen“ und dann entscheiden, wie ich weiter verfahren will. Dennoch, meine anfängliche Skepsis gegenüber Fremdhersteller konnte auch SIGMA 2016 nicht aus der Welt räumen und wahrscheinlich werde ich beim nächsten Objektivkauf wieder auf Nikon setzen. Obwohl ich auch hier so meine Erfahrungen machen musste. Ich denke dabei nur an die Gummierung der Zoomringe oder die Probleme mit dem Zoomring beim 24-70mm. Es sei denn… Aber das ist eine andere Geschichte und existiert erst in meinem Kopf 😉

2 thoughts on “Alles eine Glaubensfrage

  1. Leider hört man immer wieder von diesem Problem mit dem 35mm von Sigma. Alle in meinem Bekanntenkreis mussten das Objektiv einschicken und zusammen mit der Kamera justieren lassen, aber dann war das Ding scharf ohne Ende!

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