Modelsharing – Ein paar Gedanken

Model Sharing, bei dem sich mehrere Fotografen eines oder mehrere Models „teilen“, sind in den vergangen Monaten sehr beliebt geworden. Ich stand dem immer in wenig skeptisch gegenüber, habe mich anfangs letzter Woche dennoch kurzfristig entschieden, einen Versuch zu wagen. So habe ich mich also am Freitagnachmittag durch den Verkehr gequält und bin in Richtung Ostschweiz gefahren. Insgesamt teilten sich 5 Fotografen 3 Models über 3 Stunden hinweg. Nun, ganz ausgeräumt wurden meine Zweifel nicht, es gibt aber bestimmt interessante Aspekte.

Auf der positiven Seite steht sicher, dass man in kürzester Zeit einige coole Bilder von verschiedenen Models (falls vorhanden) machen und so sein Portfolio erweitern kann. Und das zu einem vernünftigen Preis. Man sollte allerdings schon ein wenig Studioerfahrung mitbringen, denn für längere Einführungen und Lichtsetzungen bleibt keine Zeit. Das Format ist also definitiv nichts für Anfänger.

Und so kommen wir eigentlichen schon zu den, sagen wir mal eher schwierigen Aspekten. Als Fotograf hat man keinen Einfluss auf die Wahl der Models. Die waren in meinem Fall sehr gut – aber vielleicht wünscht man sich nicht nur blonde Haare😉. Noch weniger Einfluss hat man auf das Outfit der Models während des Shootings. So hätte ich z.B. für den Part mit dem Auto das Model lieber in Jeans gehabt denn in diesem ultrakurzen Kleidchen. Es hätten sich vom Posing her einfach noch einige Möglichkeiten mehr ergeben. Ich könnte hier noch das eine oder andere Detail anführen, muss aber nicht sein. Ich denke, die Message ist klar. Und nicht falsch verstehen, mir gefällt das Bild mit dem weissen Kleid im Schrottauto!

Ein weiterer Aspekt ist sicher der Stressfaktor. Wenn man zu Zweit eine halbe Stunde pro Model/Outfit/Set zur Verfügung hat, bleiben einem nur noch 15 Minuten für das eine oder andere gute Bild. In dieser Zeit muss aber auch noch das Licht gesetzt, das Model von der eigenen Bildidee in Kenntnis gesetzt und ev. der richtige Bildwinkel gefunden werden. Je nachdem bleiben da nur noch wenige Minuten zum Fotografieren. Gerade was die Lichtsetzung anbelangt bleibt da natürlich einiges auf der Strecke. Aufwändige Settings sind nicht möglich, man beschränkt sich auf Standard-Setups. Nicht, dass man immer aufwändige Lichtsetzungen benötigt… Und wenn man dann noch in einem grossen Studio auf zwei Etagen fotografiert, ist man eigentlich immer irgendwie unterwegs nach Oben oder nach Unten.

Und ja, man kann in dieser Zeit kaum auf das Model eingehen. Ein Aspekt, der mir eigentlich sehr wichtig ist. Einfach mal ein paar Worte wechseln (woher man kommt, was man so macht, wofür man sich sonst noch interessiert usw.). Man sagt sich Hallo, knallt sich ein paar Bilder rein und sagt wieder „Tschüss“.  Relativ unpersönlich. Auch hier bitte nicht falsch verstehen. Ich bin nicht auf der Suche nach einer Partnerin – ich bin glücklich verheiratet. Aber man reduziert diese jungen Frauen halt schon relativ stark auf ihr Äusseres. Dabei sind gerade unter den Models immer wieder spannende Persönlichkeiten zu finden.

Fazit:

Auch wenn nicht alle meine Vorbehalte gegenüber Modelsharings ausgeräumt werden konnten, so war es doch eine gute Erfahrung und hat mir letztendlich Spass gemacht und, ganz wichtig, ein paar schöne Bilder beschert. Auch wichtig: Das von mir besuchte Modelsharing war perfekt organisiert und fand in einer sehr angenehmen Atmosphäre statt. Ein Grund dafür war sicherlich, dass sich die Fotografen untereinander zwar unterstützten, aber jedem Einzelnen genügend Freiraum liessen. Das von mir so gefürchtete „Rudel-Schiessen“ fand zu keiner Zeit statt. Es geht mir in diesem Post auch definitiv nicht um dieses eine, spezifische Modelsharing, sondern um das Format generell.

Noch habe ich keine konkreten Pläne, dennoch muss ich eingestehen, mir schon Gedanken über ein nächstes Mal gemacht zu haben. Ob es soweit kommt, werden wir im nächsten Jahr sehen.

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