Lightroom vs. Capture One Pro Part 2

Im ersten Teil dieser kleinen Serie habe ich ein wenig aus meiner Vergangenheit in Bezug auf die Suche nach dem richtigen RAW-Konverter erzählt. Auch gab es einen kurzen Einblick in meine jetzige Situation. Im nun folgenden zweiten Teil will ich die, aus meiner Sicht, Vor- und Nachteile der beiden Programme ausführen.
Was für LR spricht:
  • In Lightroom (LR) führt kein Weg am Bibliotheksmodul vorbei und das ist grundsätzlich eine gute Sache für die Organisation der Bilder. Alles in allem habe ich keine Probleme damit, auch wenn ich mittlerweile fast 100k Bilder darin gespeichert habe. In letzter Zeit tauchen zwar ab und zu einige Darstellungsprobleme auf, die sind zwar ärgerlich, halten sich aber in minimalen Grenzen.
  • LR Mobile ist eine gute Sache, um die eigenen Bilder mit den mobilen Geräten zu synchronisieren oder sogar ein paar Basiseinstellungen unterwegs machen zu können. Natürlich ist es auch nett, quasi ein Portfolio immer dabei zu haben. Selber arbeite ich praktisch kaum mit LR Mobile. Ich habe zwar schon den einen oder anderen Versuch gestartet. So richtig etabliert hat sich das für mich bisher noch nicht.
  • LR verfügt über eine riesige Bibliothek an Objektivprofilen. Falls es wirklich mal vorkommen sollte, dass ein Profil fehlt, kann das auf einfache Art und Weise selber erstellt werden.
  • Auch habe ich das Gefühl, neue Kameramodelle werden schneller unterstützt als zum Beispiel bei Capture One Pro. So ist bei mir aktuell die Situation, dass meine Fujifilm X-T20 von LR unterstützt wird, von Capture One jedoch noch nicht (keine Ahnung, ob das jemals der Fall sein wird).
  • In LR gibt es die Möglichkeit, bestehende  Kameraprofile auf die eigenen Vorlieben anzupassen und/oder neue Profile zu erstellen.
  • Der Korrekturpinsel ist eine Klasse für sich, zumal man seine Form auch recht variabel anpassen kann. In Capture One Pro (COP)  gibt es nichts vergleichbares.
  • Für mich das grosse Plus von LR gegenüber COP ist aber sicher das Verlaufswerkzeug. Ich habe jederzeit die volle Kontrolle über die Position und den eigentlichen Verlauf und kann diese Einstellungen auch nachträglich noch sehr einfach und effizient anpassen. In COP ist das Verlaufswerkzeug ähnlich wie in Photoshop ausgeführt.
  • Auch ein sehr cooles Werkzeug in LR ist der Radial-Filter. Etwas vergleichbares findet man in COP leider auch hier nicht.
  • Die Smart-Vorschau der einzelnen Bilder. Hier sehe ich sowohl einen Vor- wie auch Nachteil. Der Vorteil ist sicherlich, dass ich auch ohne direkten Zugriff auf meine Originaldaten die Bearbeitung in LR vornehmen kann. Als Nachteil denke ich aber, dass die Erstellung dieser Vorschauen Lightroom eben unendlich verlangsamt. Gerade kürzlich ist mir das wieder bewusst worden, als ich nach einem Shooting stundenlang vor der Kiste sass und darauf gewartet habe, bis die Previews gerendert waren.
  • Es gibt zwar einige Module, die ich persönlich nicht brauchen würde, aber die Buchfunktion und auch die Printfunktion sind schon echt klasse gelöst.
  • Die Anbindung an externe Dienste. So kann ich z.B. direkt aus LR Fotos auf meine Webseite laden. Dank dem Plugin von Smugmug sehe ich die exakt gleiche File-Struktur in LR wie ich sie auch auf meiner Webseite habe. Im Weiteren nutze ich Picdrop für den Austausch meiner Fotos mit Kunden. Auch hier habe ich die Möglichkeit, direkt aus LR auf Picdrop hochzuladen. Ein unschätzbarer Vorteil, vor allem zu Beginn eines Projektes, wo ich dem Kunden einfach mal eine Vorschau zeigen will.
  • Eine riesige Community, welche Unmengen an Presets anbietet (wer sie denn braucht) oder einfach auch Hilfe bei Problemen anbieten kann.
Was gegen LR spricht:
  • Ganz sicher die Geschwindigkeit. Gerade in zeitkritischen Situationen, also immer dann, wenn ich in relativ kurzer Zeit meine Bilder abliefern oder veröffentlichen muss, stellt mich LR auf eine harte Probe. Ich verstehe nicht, warum es dermassen lange dauern muss, bis ein scharfes Vorschaubild angezeigt werden kann und dann z.B. im Hintergrund die Smart-Previews gerendert werden können.
  • Keine Ebenenfunktion. Lightroom unterstützt leider keine zusätzlichen Ebenen.
  • Darstellungsprobleme. In letzter Zeit ist es immer wieder vorgekommen, dass mir Bilder falsch angezeigt wurden. So hatte ich schon des öfteren Probleme damit, dass Schwarzweissfotos nicht mit den von mir durchgeführten Anpassungen dargestellt werden. Auch das komplette zurücksetzen der Anpassungen brachte keinen Erfolg. Ein weiteres Problem ist, dass der Hintergrund völlig verpixelt ist, obwohl er das weder in Photoshop noch auf dem Ausdruck ist.
  • Kein eigentliches Problem von LR aber etwas, was mich grundsätzlich bei Adobe stört ist die Tatsache, dass in den letzten Jahren keine wirklich relevanten Features hinzugekommen sind. Gesichtserkennung ist ja schön und gut und auch die Buchfunktion, aber wenn ich sehe, was Capture One mit den beiden letzten Updates mit auf den Weg bekommen hat, kann ich darüber eigentlich nur noch lächeln.
Was für Capture One Pro spricht:
  • Die Konvertierung der RAWs und somit die Qualität der Bilder ist in COP definitiv besser als in LR. Auch wenn man LR «tunen» kann und mit entsprechender Nachbearbeitung, zum Beispiel in Photoshop, auch mit LR super Resultate erzielt, ist die Qualität aus COP besser. Und ja, ich bin mir bewusst, dass man die Unterschiede oft nur in 1:1 Vergleichen sehen kann.
  • Viele Einstellungen und Korrekturen können in COP um einiges stärker angewendet werden. Ob zum Guten oder Schlechten ist dann wieder eine andere Geschichte. Auf jeden Fall fügt COP auch bei stärkeren Korrekturen viel weniger Artefakte hinzu. Sehr schön kann man das im Schärfetool überprüfen.
  • Die Farbkorrekturfunktion in COP ist um Längen besser als in LR. Punkt. Mehr muss man dazu eigentlich nichts schreiben.
  • Ein weiteres grosses Plus sind sicher die Sessions. So kann ich die einzelnen Projekte individuell behandeln und muss z.B. nicht immer den ganzen Katalog mitschleppen. Durch die mit Version 7 eingeführte Katalogfunktion habe ich auch die sehr komfortable Möglichkeit eines Bildarchivs. Auch hier gilt natürlich, man kann Sessions auch mit LR simulieren (nahezu zumindest), aber auch das ist wieder nur ein Workaround, der  aus der Not geboren wurde.
  • COP unterstützt Ebenen und praktisch jede Einstellung kann bei lokalen Anpassungen korrigiert werden.
  • Die Fokus-Maske. Zuerst dachte ich, das sei nur eine kleine Spielerei. Je mehr ich sie einsetze, umso mehr kann ich nicht mehr darauf verzichten.
  • Die Lupe kennt man schon aus Aperture Zeiten. Ein einfaches aber effektives Tool, um mal schnell einzelne Bereiche eines Bildes in 100%-Ansicht beurteilen zu können. Das schöne daran: Die Lupe funktioniert auch auf Thumbnails.
  • Tethering Shooting. Direkt «in den Computer» zu fotografieren ist einfach genial und in diesem Bereich ist COP unschlagbar. LR kommt da nicht annähernd ran. Auch die Möglichkeit, die Bilder zeitgleich auf einem iPad oder iPhone anzuzeigen (Capture Pilot) finde ich schon recht cool.
  • Neben all diesen Punkten gibt es noch einige mehr, wie z.B. der meiner Meinung nach bessere Umgang bezüglich Rauschunterdrückung oder dem Vignettentool. Diese Funktionen müssten aber in einem längeren Beitrag ausführlich besprochen werden, weshalb ich sie hier nur kurz erwähne.
Was gegen COP spricht:
  • Es gibt eine Reihe von Punkten, die mir in COP nicht so gefallen, für die man aber einen Workaround finden kann oder mit denen man leben könnte. Ich denke da zum Beispiel an das Croptool, welches in LR aus meiner Sicht einfacher funktioniert oder das Fehlen der Bearbeitung-History. Auch wer gerne auf vorhandene Presets setzt, ist mit LR besser bedient. Wie gesagt, das sind keine eigentlichen Nachteile, können aber in der Entscheidungsfindung das Zünglein an der Waage spielen.
  • Der Verlaufsfilter. Dieses Tool ist in LR um einiges besser gelöst als in COP. In COP funktioniert es ähnlich wie in Photoshop. Eine feine Anpassung oder das spätere Korrigieren geht in LR um einiges besser. Es stellt sich natürlich die Frage, wie punktgenau man den Verlauf denn überhaupt setzen muss, aber hier gewinnt ganz klar Lightroom.
  • Keine Unterstützung von Color Checker. Gerade wer auf absolute Farbgenauigkeit angewiesen ist, wird diese Funktion schmerzlich vermissen. Für mich eigentlich unverständlich, dass ein professionelles Tool wie Capture One das nicht unterstützt.
  • Capture One Pro ist nicht so «offen» wie Lightroom. Ich kann weder meine Webseite direkt aus COP mit Bildern versorgen noch ist es mir möglich, Bilder direkt aus COP auf Picdrop hochzuladen. Von allfälligen Anbindungen an Social Medias will ich hier gar nicht erst sprechen. Durch die enorme Verbreitung von Lightroom ist das Interesse von Drittanbietern natürlich um einiges höher.
  • Vielleicht nur für mich und vielleicht auch nur vorübergehend relevant. Aber die Tatsache, dass die RAWs aus meiner Fuji X-T20 von COP nicht erkannt werden, finde ich etwas unschön. Hier sehe ich vor allem den Nachteil, dass Capture One weniger Kameramodelle unterstützt, bzw. es länger dauert, bis neue Modelle integriert werden.
Die obige Auflistung erhebt absolut keinen Anspruch auf Vollständigkeit und einige Punkte sind wahrscheinlich auch sehr subjektiv aus meiner Sicht von Bedeutung. Was man aber schon aus dieser Auflistung heraus feststellen kann ist die Tatsache, dass beide Programme ihre Vor- und Nachteile haben. Der, leider nicht vorhandene Idealfall wäre sicherlich eine Kombination aus beiden Tools.
Im dritten und letzten Teil der Serie versuche ich kurz aufzuzeigen, was mir bei der Arbeit mit den beiden Programmen so aufgefallen ist, wie ich mich letztendlich entschieden habe und wie mein aktueller Workflow so grob gesagt aussieht. Zum Schluss dieses Beitrages jetzt aber erstmal noch ein paar Bilder. Entstanden sind sie mit der Fuji X-T20 und entsprechend in Lightroom bearbeitet.
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2 Gedanken zu “Lightroom vs. Capture One Pro Part 2

  1. Für den Export von Capture One z.B. auf eine Website gibt es ja immerhin noch die Lösung, dass man ein eigenes Verarbeitungsverfahren erstellt und dort ein Programm angibt, welches mit der verarbeiteten Datei ausgeführt werden kann. Dieses externe Programm kann zum Beispiel ein Upload-Script sein. Ist nicht ganz so einfach, aber immerhin eine Möglichkeit.

    1. Gut zu wissen, aber da fehlen mir dann wohl schon die nötigen Skills. Ich habe aber mittlerweile für mich gut funktionierende Workarounds gefunden, mit denen ich gut leben kann. Zudem funktioniert die Kombination LR und C1 recht gut.

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