Lightroom vs Capture One Pro Part 3

Nach der Vergangenheit und einigen Vor- und Nachteilen, will ich nun in diesem dritten Teil in die Gegenwart zurückkehren und ein wenig vom aktuellen Stand der Dinge erzählen. An dieser Stelle noch einmal der Hinweis: Dieser Vergleich erhebt in keinster Weise Anspruch auf Vollständigkeit, noch basiert er auf einer «wissenschaftlichen» Studie. Ich habe lediglich meine Sicht der Dinge und meine Erfahrungen, welche ich in den letzten Wochen, und zum Teil auch in den vergangenen Monaten, mit den beiden Programmen gemacht habe aufgeschrieben.

Also, wie sieht denn nun meine Entscheidung aus?

Selbstverständlich lasse ich die Katze noch nicht aus dem Sack, schliesslich möchte ich, dass ihr diesen Beitrag auch zu Ende lest. Ich versuche aber, mich möglichst kurz zu halten.
Wie schon erwähnt, haben beide Programme ihre Vor- und Nachteile. Im Prinzip ist mir Lightroom «näher». Das liegt aber sicher zu einem grossen Teil daran, dass ich mich einfach über all die Jahre daran gewöhnt habe, während ich mich mit Capture One noch immer am anfreunden bin. Ich kann dies vielleicht am Besten mit einem Beispiel verdeutlichen. Wenn ich von einem Shooting zurück komme und die Bilder sichte, kann es durchaus einmal vorkommen, dass bei einem Foto, welches ich unbedingt behalten will, nicht alles gepasst hat. Mit nicht alles gepasst meine ich z.B. die Belichtung im Allgemeinen oder einfach, dass die Schatten etwas zu tief oder die Höhen etwas zu hell sind. Bearbeite ich das Bild nun in Lightroom, habe ich am Schluss das Gefühl, alles mir mögliche heraus geholt zu haben. Vielleicht ginge noch mehr, aber das was ich gemacht habe ist das, was meinem Knowhow entspricht. Ich kenne die Funktionsweise und die Auswirkungen der einzelnen Regler.
Mache ich das Gleiche in Capture One fehlt eben genau diese Überzeugung. Es ist dann zwar nicht unbedingt so, dass das Bild «schlechter» bearbeitet ist. Im Gegenteil. Meist ist es ebenso gut oder vielleicht sogar noch einen Tick besser. Da ich aber Capture One noch nicht wie im Schlaf beherrsche, bleibt da einfach ein undefinierbares, aber komisches Gefühl zurück. Natürlich habe ich mir überlegt, woran das liegen mag. Vielleicht liegt es daran, dass in Capture One die Einstellmöglichkeiten vielfältiger sind und man an verschiedenen Reglern drehen (schieben) kann und man trotzdem zum gleichen Resultat kommt. Vielleicht liegt es auch ganz einfach daran, dass mir die nötige Routine fehlt. Als letzten Punkt ist mir auch durch den Kopf gegangen, dass mir persönlich Capture One zu komplex ist… Dennoch,

eine Entscheidung musste her

Aus diesem Grund habe ich mir zwei Punkte herausgepickt, die für mich entscheidend sind:
  1. Workflow – ich habe keine Zeit, mich stundenlang mit Einstellungen und Experimenten zu beschäftigen. Ich brauche einen schnellen und effizienten Workflow von der Datenübernahme bis zum Print und/oder Veröffentlichung
  2. Gute bis sehr gute Bildqualität
Aufgrund dieser zwei Punkte, habe ich mich noch einmal hingesetzt und den ganzen Workflow sowohl mit Lightroom als auch mit Capture One durchgespielt (die Stoppuhr kam dabei jedoch nicht zum Einsatz ;-)) und am Schluss das Resultat verglichen.
And the winner is: Adobe Lightroom.
Nun, den einen oder anderen mag dieser Entscheid überraschen. Sagt man doch immer, Capture One rendert die Bilder besser und ist auch was die Performance anbelangt schneller. Mag sein, dass C1 noch ein wenig mehr Struktur und Details aus den RAWs herauskitzelt. Mag sein, dass die Hauttöne in C1 besser, schöner, originalgetreuer gerendert werden. Ich habe aber in meinem Vergleich eben auch feststellen müssen, dass zum Schluss zwischen den beiden Fotos kaum ein Unterschied sichtbar war. Man muss schon beide Bilder nebeneinander vor sich haben und direkt vergleichen. Ja, dann sieht man irgendwann kleine Unterschiede. Aber dies ist ziemlich realitätsfremd und deshalb aus meiner Sicht nicht relevant. Ich muss aber noch einmal betonen, dieses Ergebnis beruht auf dem Ergebnis, wie ich die Bilder bearbeite. Auf  jemanden Anderen muss das überhaupt nicht zutreffen. Und, ich muss auch noch einmal betonen, es sind ein paar grundlegende Einstellungen in Lightroom vorzunehmen, bevor man zu diesem Ergebnis kommt (darüber schreibe ich in einem weiteren Blogpost).
Widmen wir uns also Punkt 1, dem Workflow.
Wie gesagt, in Lightroom fühle ich mich «zu Hause». Ich weiss welche Regler ich zu drehen habe, wenn ein Bild Optimierungsbedarf hat und ich weiss, welche Regler zum gewünschten Effekt führen. Ich kann somit die reine Bearbeitungszeit in Lightroom auf ein Minimum reduzieren und so die Bilder schneller abliefern.

Fazit

Zum Schluss noch einmal ein paar grundsätzliche Überlegungen: Ich denke, letztendlich ist es nicht unbedingt entscheidend, welches Programm man verwendet. Die Qualität ist bei Beiden auf sehr hohem Niveau. Es mag sein, dass Capture One die Details etwas besser ausarbeitet und, dem Einen oder Anderen mag der Hautton besser gefallen. Ich bin aber überzeugt davon, bei sorgfältiger Nachbearbeitung, zum Beispiel in Photoshop, kann zum Schluss kein Unterschied mehr festgestellt werden. Es sei denn, man hat zwei völlig identische Fotos auf dem Tisch liegen (oder halt eben auf dem Bildschirm). Dann, ja dann ist der Unterschied wahrscheinlich sichtbar. Aber wer hat das schon, ausser von explizit angefertigten Vergleichs- und Testfotos.
Was am Ende des Tages zählt ist das Bild, die Bildqualität. Wenn ich mit Lightroom besser klar komme, bedeutet das letztendlich auch, dass ich mehr aus dem RAW-File herausholen kann als z.B. mit Capture One. Selbstverständlich gilt auch der umgekehrte Fall. Was ich aber damit sagen will ist, sowohl Lightroom als auch C1 sind Tools, genauso wie die Kamera, das Objektiv oder die verwendeten Blitze. Nur wenn man sich mit all diesen Tools wohl fühlt, perfekt auskennt und gerne damit arbeitet, kommt am Schluss auch ein qualitativ gutes Resultat dabei heraus. Ob ich das nun mit einem «professionellen» oder eben «nur semiprofessionellen» Tool mache spielt doch überhaupt keine Rolle.
Bist du anderer Meinung? Dann schreib doch deine Gedanken in die Kommentarfunktion.

Nachtrag

Mittlerweile hat Capture One ein Update veröffentlicht. Meine Fuji X-T20 wird nun auch unterstützt.
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2 Gedanken zu “Lightroom vs Capture One Pro Part 3

  1. Ich kann Deinen Beitrag voll zustimmen. Vor einigen Jahren hatte ich ebenfalls LR mit C1 im Workflow verglichen und mich dann für LR entschieden, weil mir das einfach übersichtlicher / verständlicher war. Daran schein sich ja bis heute nichts geändert zu haben und so kann ich mir einen neuen Vergleich sparen, danke.

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