Fujifilm GFX 50S

Ja, es gibt sie noch, die kleinen und grossen Männerträume. Bei Fotografen ist das sicherlich eine Mittelformatkamera. Leider sind diese Träume vor allem bei Hasselblad und Phase One nur mit einem finanziellen Aufwand verbunden, mit dem sich andere Leute ein Auto kaufen. Doch zum Glück haben sich da in den letzten Monaten ein paar Alternativen aufgetan, die die Erfüllung dieses Traumes zumindest ein wenig in erreichbare Nähe rücken lassen. Von Pentax, Fujifilm und auch Hasselblad gibt es mittlerweile fantastische Mittelformatkameras, welche das eigene Konto zumindest nicht komplett ins Elend stürzen.

Kürzlich habe ich für ein paar Stunden an diesem Mittelformattraum geschnüffelt. Neben der GFX 50s hatte ich noch das 2/110mm und das 4/32-64mm gemietet und während einem intensiven Shooting-Wochenende im Einsatz. Nachfolgend ein paar Gedanken dazu.

Was mir gefällt

Wow, das Ding ist jetzt zwar nicht unbedingt als zierlich zu bezeichnen, aber eben auch kein Brocken. Die Grösse entspricht in etwa einer Spiegelreflexkamera. Nur die Objektive tragen natürlich ziemlich auf. Vor allem das 110mm ist schon recht gross und schwer. Der regelmässige Besuch des Gyms wird an dieser Stelle dringend empfohlen. Die Bedienung ist intuitiv. Kennt man z.B. die X-T2, findet man sich sofort auch mit der GFX 50s zurecht, auch wenn nicht ganz alle Einstellungen über Einstellräder vorgenommen werden können. Das Menü ist identisch. Die Kamera selber liegt gut in der Hand und ist mit den Objektiven gut ausbalanciert.
Der Autofokus ist gut, schnell und präzise. Zumindest war er das in den Konditionen, unter denen ich geshootet habe. Ob er auch in schwierigen Lichtverhältnissen gleich gut funktioniert, kann ich nicht sagen, ich bin einfach nie in diese Situation gekommen.

Aber kommen wir zum Wichtigsten, der Bildqualität. Sagen wir es so: „Wow“. [Schweigen] Und noch einmal: „Wow“. Man sagt ja dem Mittelformat nach, dass da halt gegenüber dem Kleinbild noch etwas mehr Atmosphäre, Klarheit und ganz einfach Qualität auf den Sensor bannt. Doch die Unterschiede sind schon deutlich spürbar, bzw. sichtbar. Da bleibt wirklich keine Pore verborgen, ohne jedoch aufdringlich oder unnatürlich zu wirken. Man kann es nicht so richtig in Worte fassen, aber das muss ja auch nicht sein. Man muss es sehen können und das tut man definitiv. Auch die Farben und der Dynamikumfang sind schon auf einem sehr hohen Niveau. Was ich leider nicht ausprobieren konnte, war der schwenkbare Sucher. Da aber das rückseitige Display wie bei der X-T2 schwenkbar ist, konnte ich das leicht verschmerzen. Neben dem Verschlusszeiten- gibt es noch ein weiteres Einstellrad für die ISO-Werte. Diese liegen im Bereich von 100 bis 12800, plus Automatik. Dazu kommt die Einstellung „C“. In dieser Position gibt das Rad seine Funktion an das Einstellrad im Griff ab und man kann nun auch den erweiterten ISO-Bereich von 50 bis 102.400 nutzen. Denn vollen Einstellbereich wird man mit dieser Kamera allerdings kaum nutzen, bis ISO 6400 bzw. 12800 kann man aber problemlos gehen, ohne dass sich das Rauschen stark bemerkbar machen würde.

Die Kamera liegt gut in der Hand. Die Bedienung ist, wie schon erwähnt intuitiv und durchdacht. Man muss sich nur merken, mit welchen Funktionen man die unbeschrifteten Einstellknöpfe belegt hat und sich daran gewöhnen, dass sich die Einstellräder für Daumen und Zeigerfinger nicht nur drehen, sondern auch drücken lassen, was zu unterschiedlichen Einstellungen führt. Als sehr praktisch erweist sich auch der kleine Statusmonitor auf der rechten Gehäuseschulter, der die acht wesentlichen Informationen darstellt, darunter Empfindlichkeit, Verschlusszeit, Blende, Belichtungskorrektur als Zahlenwerte. Auch der Ladezustand des Akkus und aktive Speicherkarte werden angezeigt. Die Kamera verfügt über zwei Speicherkartenslots, in welche normale SD-Karten (SD, SDHC, SDXC) eingesetzt werden. Auf der linken Gehäuseseite findet man Anschlüsse für Micro HDMI , Micro USB 3.0 / 2.0, externe Stromversorgung, Buchsen für Fernauslöser, Mikrophon und Kopfhörer. Ebenfalls auf dieser Gehäuseseite wird der Akku eingesetzt.

Was mir nicht gefällt

Ganz klar: Der Preis ist noch immer der Hammer. Für die Kamera plus Objektiv wandern noch immer rund CHF 12’ooo.- über den Ladentisch. Ein weiterer Minuspunkt ist sicher die noch etwas bescheidene Objektivauswahl. Gut, hier gibt es zum Glück ein paar Möglichkeiten, Objektive von Fremdherstellern zu adaptieren. Novoflex bietet mittlerweile Adapter an, welche es sogar möglich machen, Kleinbildobjektive zu verwenden. Was mir auch nicht so gefällt ist das Gewicht. Weniger dasjenige der Kamera, vielmehr der Objektive. Die sind halt wirklich gross und schwer. Nun ja, damit könnte man leben. Aber jetzt kommts. Phase One ignoriert die GFX 50s in ihrem RAW-Konverter Capture One Pro komplett. Während die Files der X-T2 zumindest erkannt werden und nur Tethershooting nicht untertützt wird, kann C1 mit den Daten der GFX 50x überhaupt nichts anfangen. Als überzeugter Nutzer von Capture One Pro kann ich das natürlich absolut nicht verstehen. Ok, ich sehe die Beweggründe von Phase One, dennoch… Und diese fehlende Unterstützung ist für mich schon ein ziemlich eindeutiges Killerkriterium. Natürlich, wie so oft im digitalen Zeitalter gibt es auch für diesen Umstand einen Hack, aber ganz ehrlich, das ist auf die Dauer keine Option. Das Umwandeln in das DNG-Format, ok, geht ja gerade noch. Dass ich aber anschliessend noch mit einem Exif-Editor den Kamerahersteller und das Kameramodell ändern muss, neh, echt jetzt? Dass es unter diesen Umständen selbstverständlich keine Tether-Shooting Option gibt – vergiss es, geht gar nicht. Und was ist mit Lightroom? Ja, Lightroom erkennt die GFX 50S Raw-Files. Ich hatte aber keine Lust, das Tethershooting damit auszuprobieren und, ein kurzer Quervergleich betreffend Verarbeitung der Daten hat mir gezeigt, dass das allenfalls eine allerletzte Option wäre. Long Story short: So lange sich da nichts ändert, mache ich mir auch keine Gedanken über die Finanzierung.

Fazit

Die kurze „Testphase“ hat Spuren hinterlassen. Auf der einen Seite ist dieses „unbedingt-haben-wollen“ Gefühl noch immer da, bzw. fast noch etwas stärker geworden. Die Qualität der Bilder ist wirklich klasse und dass mit der GFX 50s das Mittelformat preislich zumindest in erschwingliche Sphären vorgedrungen ist, macht es natürlich auch nicht einfacher. Aber eben, da gibt es noch die andere Seite.

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