Fotobücher 2017

Neben dem eigentlichen Fotografieren gibt es zwei Dinge, die ich unglaublich mag: Fotos möglichst gross ausgedruckt und Fotobücher. Wir stehen kurz vor Weihnachten und vielleicht muss der Eine oder Andere noch in letzter Sekunde ein Geschenk besorgen. Nun, darum soll es in diesem Beitrag eigentlich nicht gehen. Vielmehr möchte ich euch heute fünf Fotobücher vorstellen, die ich zwar nicht unbedingt in 2017 gekauft habe, die aber trotzdem zu meinen absoluten Favoriten zählen. Es sei zudem angemerkt, dass die Reihenfolge rein willkürlich gewählt ist und in keiner Weise eine Platzierung widerspiegeln soll.

  1. Vincent Peters: The Light Between Us
    The Light Between Us von Vincent Peters ist eine Huldigung an die großen Hollywood Studio-Fotografen der Vierziger und Fünfziger Jahre. Schwarz/Weiß Portraits mit vergleichbar dramatisch inszenierter Lichtführung hat man zuletzt bei George Hurrell gesehen, dem wohl bekanntesten Vertreter des Glamour Stils. Vincent Peters versteht es mit seiner Kamera den Portraitierten (Ein Who’s Who aus Film und Showbiz) ein gehöriges Maß an männlicher Pose bzw. weiblicher Verführung zu entlocken. Mad Man Jo Hamm strotzt nur so von Testosteron, durchaus ebenbürtig
    mit dem jungen Marlon Brando im weissen T-Shirt.
    Auch die weiblichen Stars spielen souverän mit der Vergangenheit. Das farbige Portrait von Kylie Minogue zitiert in Pose und Ausdruck Marilyns Last Sitting mit Bert Stern.
  2. Vincent Peters: Personal
    Für seine zweite grosse Monografie hat Vincent Peters meist bislang unveröffentlichte, persönliche Aufnahmen ausgewählt. Die Portraits der ausschließlich weiblichen Modelle zeigen die unverkennbare Handschrift des Fotografen. Vincent Peters Domäne sind People und Fashion. Die S/W Aufnahmen sind häufig dramatisch inszeniert, vergleichbar mit Studioportraits aus dem Hollywood der 40er und 50er Jahre, auch Peter Lindbergh kommt mir hier in den Sinn.
    Diese Art der Beleuchtungstechnik hatte mich schon in seinem ersten Werk “ The Light between us“ begeistert.
    Das vorliegende Buch enthält wenig farbige Portraits, auf mich wirken diese Aufnahmen aber auch nicht typisch für seinen Stil, sondern eher beliebiger. Vincent Peters Stärke liegt einfach im S/W Bereich, im vorzüglich gedruckten „Personal“ kann der Betrachter sich davon ein gutes Bild machen.
  3. Marc Lagrange: Diamonds & Pearls
    Models, fotografiert mit Resten teurer Bekleidung oder halbnackt und verziert mit edlen Steinen, wechseln sich mit Szenen ab, in denen „lüsterne alte Männer auf junge, bildhübsche Frauen treffen“ oder vermutlich treffen werden. Das alles geschieht in Salons des gehobenen Bürgertums, man weiß nicht wo, aber es sieht teuer, verdorben und prunkvoll aus. „Ein schönes Model kann wie ein Diamant sein“, sagt der Autor, und man fühlt, dass er das ernst meint, denn in der Phantasie seiner Fotos schmückt er Männer mit ihnen. Seine Fotos in erdigen Tönen scheinen etwas aus der Zeit gefallen zu sein, sowohl vom Stil her als auch in den Inszenierungen. Ein Model führt nackt einen Hund aus. Wenn man genauer hinsieht, steht auch sie im Geschirr, und am Hals hängt eine dünne Leine. Lagrange’s Inszenierungen beeindrucken. In seiner stilvollen Interpretation von Aktfotografie wird die Phantasie der Betrachter direkt und unvermittelt angesprochen. Es geht dabei weniger um die weiblichen Körper, sondern mehr um die Geschichten, die den Betrachter ins Reich seiner eigenen Phantasie führen sollen.
    Leider ist Marc Langrange am 25. Dezember 2015 bei einem tragischen Unfall auf Teneriffa ums Leben gekommen.
  4. Sarah Moon: 12345
    Sarah Moon heisst eigentlich Marielle Warin. Ihre Karriere begann sie unter dem Künstlernamen Marielle Hadengue als Mannequin. Als Fotografin ist Sara Moon eine Autodidaktin, welche zuerst ihre Fotomodellkolleginnen ablichtete. Ihre Arbeiten erregten jedoch sehr viel Aufmerksamkeit und schon bald konnte sie hinter die Kamera wechseln. Bekannt geworden ist Sara Moon dafür, die besondere Atmosphäre von Londons Swinging Sixties einfangen zu können. 1972 gestaltete Sarah Moon als erste Frau den berühmten Pirelli-Kalender. Sie arbeitete für Modehäuser wie Chanel, Dir und Comme des Garçcons. Ihre Bilder erschienen in Modezeitschriften Vogue, Marie Claire, Elle und vielen weiteren.
    Mit ihren Arbeiten prägte Sie die Modefotografie, denn ihre verträumten Bilder lassen jedes Gefühl für Zeit und Raum verschwimmen. Sie sind in unscharfem Schwarzweiß gehalten, lassen Platz für Interpretationen. Ihr Lieblingsmaterial ist dabei seit jeher das Sofortbild.
  5. Linda McCartney: Life in Photographs
    Einfühlsame Bilder, wenn’s sein muß auch schonungslos. Lässt das letzte Drittel des vorigen Jahrhunderts in der Musikbranche und speziell die Familienaktivitäten mit Paul McCartney wieder aufleben.
    Für viele war Linda McCartney nur die Frau von Ex-Beatle Paul. Doch zuvor war sie Fotografin – und begnügte sich nicht damit, Stars nur abzulichten. Das Problem für Linda war, dass man sie eben nur als Frau von Paul McCartney sah, nicht aber als Künstlerin. Doch die Frau hatte viele verschiedene Facetten. Dies zeigt zum Beispiel eine Geschichte, welche sich in New York zugetragen haben soll: „Dich kenn‘ ich doch“, soll Mick Jagger gesagt haben, als er Linda an der Hand von Paul begegnete. Darauf soll sie geantwortet haben: “ Oh yes! I f…ed you in New York.“ ‚Anständige‘ Frauen sagen so etwas nicht. Groupies vielleicht schon. Aber nur, wenn sie genug Selbstbewusstsein haben. Und das hatte sie. Linda Eastman war als erste weibliche Fotografin des Musikmagazins „Rolling Stone“ ein Edel-Groupie. Aber sie war eben auch eine aussergewöhnliche Fotografin mit viel Talent gesegnet. Ihre Bilder entstanden in den 60ern, als Pop seine Unschuld noch nicht verloren hatte. Das sieht man ihnen auch an.

Wenn ihr euch jetzt wundert, dass ich kein Buch von Peter Lindbergh ausgewählt habe, so sei versichert, dass ich mehrere von diesem aussergewöhnlichen Fotografen in meiner Sammlung habe. Ich wollte mich halt einfach nicht auch noch an dem (unsäglichen) Hype beteiligen, welcher seit einiger Zeit um ihn entstanden ist. Dennoch liebe ich seine Fotos (und seine Bücher).

Also, vielleicht ist ja auch für euch etwas dabei und, wie gesagt, es sind noch einige Tage bis Weihnachten 😉

 

 

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3 Gedanken zu “Fotobücher 2017

  1. Schön! Jetzt möchte ich fünf neue Fotobücher haben und für Weihnachten ist es nun doch eeeetwas knapp… Naja mein Geburtstag kommt bestimmt. 😀
    Danke fürs Vorstellen auf jeden Fall!! 🙂

    Liebe Grüße und eine wundervolle Weihnachtszeit wünscht,
    Marie aka Lady Evil

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